Geschichten und Erlebnisse aus dem Seniorenheim

Abschied nehmen

Ich komme in einen Aufenthaltsraum. Die Stimmung ist bedrückt. Ich frage:“Was ist los heute?“ Eine Dame traurig:“Ein guter Freund ist heute Nacht gestorben.“ Sie zeigt mir das Bild des alten Herren. Eine Zeit ist es ruhig. Ich: “Wir könnten dem Freund noch ein paar gute Wünsche für seine Reise mitgeben. Ich komme vorbei und sammle sie in meinem Seifenblasenbehälter und dann, dann lassen wir die Wünsche fliegen.“ Ich gehe überall vorbei. Manche Wünsche sind kaum hörbar: Ich wünsche ihm eine gute Wurscht für die Reise zur Stärkung! Ich wünsche ihm nette Gesellschaft da oben. Ich wünsche ihm, dass er nie mehr Schmerzen hat…Und dann fliegen sie, die Seifenblasenwünsche. Wieder Stille. Ich: „Was meint ihr, womit wird der freundliche Herr nun abgeholt?“ Mit einer Kutsche, nein, mit `nem Lamborghini, Porsche. Die Stimmung ist plötzlich ausgelassen, fröhlich.

 

Wir kommen wieder

Eine Dame sagt: “Mir geht es so schlecht. Wahrscheinlich muss ich bald sterben.“ Die beiden Clowns: Wir kommen doch in drei Wochen wieder, und dann wollen wir sie sehen.“ Dame: “Ach, wenn das so ist, dann warte ich noch mit Sterben.“

 

Nachwirkungen

Die Clowns haben den Aufenthaltsraum verlassen. Von Weitem hören sie einen besuchten Mann sagen: Die Clowns haben mich wieder daran erinnert, wie schön das Leben ist.“

 

Zitat

Im Aufenthaltsraum. Ein Mann bedankt sich bei uns mit den Worten: “Zum Glück bin ich noch nicht unter der Erde, sonst hätte ich euch nicht mehr erleben können!“

 

Spiegeln

Eine Dame liegt den ganzen Tag im Bett. Sie starrt an die Decke und schreit und schreit und schreit. Meine Kollegin legt sich neben sie, starrt an die Decke und schreit und schreit und schreit. Daraufhin dreht sich die Bewohnerin zu ihr um und fragt: “Was schreist Du denn so?“

 

Darf ich mitkommen?

Ein depressiver Mann sitzt im Zimmer. Er kam die letzten Wochen nicht mehr heraus, obwohl er noch mobil wäre. Wir setzen uns zu ihm. „Wie geht es Ihnen?“ Er: „Ach, wissen Sie, der Krieg sitzt mir noch in den Knochen.“ Lange Zeit erzählt er von seinen Erlebnissen aus dem Krieg. Wir bewundern ihn, staunen, was er schon alles erlebt hat. Wir: “Oh, die Zeit fliegt. Wir haben noch eine Verabredung mit den Bewohnern im Aufenthaltsraum.“ Der Mann: „Was macht ihr da? „Ich: „Wir spielen sicherlich noch ein Musikstückchen.“ Er: „Darf ich euch begleiten?“ Wir: „Aber gerne doch. Eine so tolle Unterstützung können wir sehr gut gebrauchen!“ Der Herr begleitet uns und singt im Aufenthaltsraum den Schneewalzer. Ja, denn den Text haben wir vergessen. Aber das fällt zum Glück nicht auf, wenn man gute Unterstützung hat. Und die hatten wir. Und oh Wunder, auch beim nächsten Besuch.

 

An die Hand nehmen

Eine Dame ist verärgert. Was ist los? „Ach, es macht alles keinen Sinn mehr. Ich fühle mich nicht wohl an diesem Ort. Das Essen schmeckt schlecht, ich durfte meine Möbel von zu Hause nicht mitnehmen, es gibt keine adretten Männer hier. Das ist doch kaum zum Aushalten!“ Die Clowns:“Oh, interessant! Wir schreiben mal eine Beschwerdeliste. Also, was war das nochmal...?“ Die Clowns notieren sich die wichtigsten Punkte und dann: “Fällt Ihnen auch was positives ein?“ Es dauert einen Moment: „Hmmm, also, ich habe vom einen Fenster Blick in den Garten, das hat nicht jeder und am Montag gibt es Schnitzel mit Pommes. Das schmeckt eigentlich ganz lecker. Und im dritten Wohnbereich gibt es einen Mann, der sieht noch ganz gut aus, der kann sogar noch tanzen. Vielleicht geht da ja noch was.“

Wir haben es notiert und hängen es übers Bett. „Damit Sie immer daran erinnert werden, dass es auch noch nette Dinge gibt hier.“

Die Dame bedankt sich:“Gute Idee, ich hoffe, eure Schrift kann ich lesen!“

 

Ein Büstenhalter mit Nachwirkungen

Die Clowns spielen im Garten. Als krönenden Abschluss ziehen sie einer nackten Steinskulptur einen Büstenhalter an, denn es ist ja ganz schön kalt, so nackig rumzustehen.

Ein Jahr später berichtet jemand vom Sozialdienst:“ Stellen Sie sich vor, noch heute erzählen mehrere Bewohner amüsiert von der Steinskulptur mit dem Büstenhalter, ein lustiges Bild, das sie in der Erinnerung weitertragen, und immer, wenn sie davon reden, zeigt sich ein Schmunzeln auf den Lippen, und sie wirken leicht und fröhlich.“

 

© Urheberrecht. Ruth Albertin 2025

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