Geschichten aus der Klinik

Von ängstlich bis mutig

Einem vierjährigen Kind ist eben Blut abgenommen worden. Es wirkt ängstlich und versteckt sich hinter der Mama. Auch ich verstecke mich hinter meiner Clownkollegin. „Oh, wo ist denn die Krümmel gelandet. Sie spielt halt gerne verstecken wie mein Schaf.“ Die Clownin holt ihr Schaf raus.“ Wollen wir verstecken spielen?“ Die inzwischen gefundene Krümmel:“Oh ja!“ Schaf:“Oh, ja.“ Beide dürfen sich mal verstecken. Das Kind guckt neugierig zu. Es stellt sich neben die Mama. Clownkollegin:“Oh, Verstecken spielen macht hungrig, nun gibt es eine Runde Seifenblasenmalzeit.“ Die Seifenblasen füllen das Zimmer. Das Schaf isst fleißig und manchmal rülpst es auch unauffällig. Das Kind fängt ebenfalls Seifenblasen. Die Angst ist verflogen. Krümmel:“Oh, Du hast ja einen Bären im Bett. Vielleicht hat dieser auch Hunger.“ Das Kind nimmt den Kuschelbären und füttert ihn mit den Seifenblasen.

Innerhalb von zehn Minuten wechselt das Befinden des Kindes von ängstlich zu neugierig, von neugierig zu mutig. Ein kleiner emotionaler Prozess. Wir lassen das Kind mit strahlenden Augen zurück.

 

Das Krokodil

Die Clowns malen ein Krokodil an das Fenster des Zimmers. Sie haben herausbekommen, dass der Junge gerne Krokodile mag. Und was braucht das Krokodil noch, fragen die Clowns.  Der Junge:“…ein Haus, ein Swimmingpool, ein Eis…Clowns:“Gute Idee!.“ Am Ende entsteht ein großes Fensterbild mit einem glücklichen Krokodil und einem noch glücklicheren Jungen.

Die Clowns gehen weiter. Nach ca. 20 Minuten kommt eine Pflegefachkraft auf die Clowns zu: “Können wir uns kurz austauschen? Es gibt ein Problem mit dem Jungen und dem Krokodil.“ Die Clowns gucken sich an, oje, vielleicht haben sie es übertrieben mit dem Bild oder….Die Pflegefachkraft:“ Der Junge muss das Zimmer wechseln und er weint nun wie jämmerlich, denn er kann das Krokodil ja nicht mitnehmen. Ist es möglich, im neuen Zimmer noch einmal dasselbe Bild zu malen?“ Die Clowns:“ Oh, natürlich gerne.“ Unter uns gesagt, so einfach war es nicht, denn das neue Bild muss ja haargenau so sein wie das alte. Aber die Clowns bemühen sich und immer, wenn sie nicht sicher sind, verschwinden sie in das alte Zimmer, um zu schauen, ob es auch genau so aussieht. Und weil sie auf dem Weg noch einige andere Menschen treffen, wissen am Ende alle vom Krokodil, das es nun doppelt gibt und einen unglücklichen Jungen wieder glücklich macht.

 

Blutabnahme

Ein Kind hat Angst vor der Blutabnahme. Doch dem Mädchen muss noch einmal Blut abgenommen werden, bevor es nach Hause darf. Die Clownin:“ Oh, ich habe auch Angst vor dem Blut abnehmen. Darf ich Deine Hand halten, wenn mir Blut abgenommen wird?“ Das Mädchen willigt ein und hält die Hand der Clownin. Plötzlich fängt die Clownin an zu zittern. Sie zittert am ganzen Leib. Das Mädchen guckt die Clownin ungläubig an und meint: “Also, so schlimm ist das jetzt auch wieder nicht.“ Nun lässt das Mädchen die Blutabnahme problemlos über sich ergehen. Anschliessend gibt es natürlich eine Mutauszeichnung, und die Entlassung des Mädchens wird spektakulär gefeiert.

 

You are my sunshine

Draussen vor dem Krankenhaus fragt eine Mama:“ Sind Sie nicht Dr. Krümmel?“ Ich (in Zivil):“ Ja, mit Kostüm bin ich Dr. Krümmel.“ Die Mama: „Ich war vor 14 Jahren öfters mit meinem chronisch kranken Jungen im Krankenhaus. Als er euch das erste Mal erlebte, war er vier Jahre alt. Er hat sich hinter mir versteckt. Ihr habt das Lied „You are my sunshine“ gesungen. Mein Junge ist nun 18 Jahre alt und immer, wenn es ihm nicht gut geht meint er: „Mama, sing mir doch „You are my sunshine“.

 

Pflegefachkraft

Eine Pflegefachkraft kommt auf die Clowns zu und meint:“ Das wollte ich euch immer schon mal gesagt haben. Mit 16 Jahren lag ich nach einem Suizidversuch auf der Intensivstation. Ihr habt mich besucht, gesungen, in den Arm genommen, gespasst. Euer Besuch hat mich damals so berührt, dass ich danach neue Lebenskraft geschöpft habe. Ich wusste, ich möchte nach vorne gehen. Vielen Dank dafür!“

 

Eine Tablette weniger

Auf dem Flur schreit ein kleiner Junge, ein onkologischer Patient. Er kommt von einer Untersuchung und hat starke Schmerzen. Laut weinend verschwindet er in seinem Zimmer. Die Clowns klopfen zaghaft an die Türe. Die Krankenschwester, die das sieht, ist sich nicht sicher, ob der Zeitpunkt für den Einsatz der Clowns gut ist. Doch der Junge hat bereits die Nasen der Beiden im Türspalt gesehen und lässt sich darauf ein. Er hört auf zu schreien, lacht und kann sich beruhigen.

Die Clowns verlassen das Zimmer. Die Krankenschwester kommt auf sie zu mit einer Ibu in der Hand und meint:“ Das hat sich ja nun erledigt. Der Junge braucht kein Schmerzmittel mehr. Ihr habt es anders gelöst. Vielen Dank euch!“

© Urheberrecht. Ruth Albertin 2025

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